Live aus China II: Hebei, Neue Energien, CNC Machinen und die Xiong’an New Area Wirtschaftszone (河北省与雄安新区)

08.09.2018 Im Rahmen der Jing-Jin-Ji Messe folgten wir der Einladung, uns jeweils in Langfang und Xiong’an ein Bild der chinesischen Wirtschaft zu machen und sind dafür in das ENN Xin’ao Energy Research Institute, die Beijing Jingdiao Group für Unternehmensbesuche und in die Xiong’an New Area gefahren.

Das ENN Energy Research Institute ist als Teil der ENN Energy Group Teil eines von Chinas größten Privatunternehmen und einer der größten Lieferanten für saubere Energien. Seit 1986 mit der Forschung und Entwicklung von Erdgas beschäftigt, arbeitet die Firma heute mit rund 35.000 Mitarbeitern und über 300 Zweigstellen weltweit an Lösungen für smarte Energie- und Haushaltsversorgungssysteme.

Zweite Station war die Beijing Jingdiao Group als Produzent von High-Tech Präzisions-Fräsanlagen. Zu Kunden der Beijing Jingdiao Gruppe zählen u.a. Foxkonn zur Produktion von Rahmen für iPhones. Hier wird täglich für rund 16 Stunden in zwei Schichten gearbeitet, Fachkräfte stammen sowohl von Universitäten als auch aus berufsbildenden Schulen in China und der Durchschnittslohn eines Facharbeiters beträgt ca. 6000 RMB pro Monat, verriet ein Mitarbeiter der Jingdiao Gruppe.

Die letzte Station der Besichtigungen stellte die Xiong’an New Area dar. Wir reisten am Samstag mit einer Gruppe von rund 40 Konferenzteilnehmern von Langfang nach Xiong’an.

Als von Staatspräsident Xi Jinping während des 19. Nationalen Volkskongresses (2017) offiziell zur neuen Wirtschaftsentwicklungszone erklärt, ist diese Zone Teil der Stadtentwicklungspolitik für die chinesische Hauptstadtregion und unter direkter Administration der Nationalen Kommission für Reform und Entwicklung (NDRC). Xiong’an soll künftig zur Modellregion für die erfolgreiche Umsetzung einer sozialistischen Marktwirtschaft dienen und kombiniert smarte und saubere Technologien. Man führte uns durch zwei Areale der Zone, darunter zunächst das Service Center und nach einer kurzen Busfahrt in eine neu angelegte Forstlandschaft.

In Xiong’an wird man künftig Wissenschaft, Fertigungsindustrie, Hochtechnologien, erstklassige Dienstleistungen sowie ein schnelles, hocheffizientes Verkehrsnetz, grüne und smarte Stadtentwicklung mit einem hochmodernen Sicherheitssystem vereint finden. Bis 2035, verriet ein Werbefilm, soll hier die fortschrittlichste Region Chinas – smart und grün – entstehen.

Folgt man einigen Stimmen regionaler Wirtschaftsvertretungen, so erfolgt die Entwicklung dieser Zone maßgeblich zur Unterstützung der Umstrukturierung Pekings. Dort könnte schon bald die Industrie in die Randbezirke der Stadt gedrängt werden, um Peking als reines Regierungs-, Verwaltungs- und Dienstleistungszentrum zu etablieren. Auch für die deutsche Wirtschaft könnte das bedeuten, sich bald in der Hauptstadtregion nach neuen Flächen umzusehen, z.B. im rundum gelegenen Hebei, Xiong’an, Langfang oder der Küstenstadt Tianjin.

Zugang zur Wirtschaftszone erfolgte für uns über das Service Center, in das man nach kurzer Registrierung per E-Bus gefahren wird. Im Service Center sind derzeit Bürogebäude, ein Kino, Unterkünfte und mehrere Fastfood-Anbieter zu finden, zudem ein Supermarkt, E-Tankstellen und ein Hotel. Am Eingang bot sich vor einem gut abgeschirmten, imposant-großen Verwaltungsgebäude zunächst eine gute Fotogelegenheit. Beim weiteren Rundgang wurden wir vorbei an autonom fahrenden Kiosken zum Verkauf von Taschentüchern und Red Bull, entlang von Unterkünften sowie Straßenschildern mit scanbaren Codes zur ersten Ausstellungshalle – einem Kino – geführt. Im Anschluss an einen chinesischsprachigen Werbefilm begleitete man uns in ein smartes Hotel, dessen Check-in Prozess ohne menschliche Unterstützung funktioniert. Man loggt sich mit seiner chinesischen ID-Karte ein und schon ist man Gast. Optionen zur Registrierung ausländischer Reisepässe bietet das System derzeit nicht. Nächste Station war ein Supermarkt des chinesischen Onlinemarktportals “Jingdong”,  ohne sichtbare Bedienstete. Man geht hinein, scant seine gewünschten Waren, lässt sich diese über sein Webkonto direkt verbuchen und der Einkauf ist abgeschlossen. Unzählige Kameras auf dem Gelände sorgen dafür, dass niemand unbeobachtet bleibt – alles zur Sicherheit, betonte eine Angestellte.

In den neuen, kleinteiligen Bürogebäuden sind derzeit rund zehn chinesische Firmen registriert, darunter z.B. Baidu. Zudem sind Co-working Spaces und Konferenzräume vorhanden. Dem in China allgegenwärtig viel diskutierten Problem der Luftverschmutzung begegnet man in den Büros übrigens nicht smart oder mit Luftfiltern, sondern lieber grün durch ein paar Büropflanzen, so sagte man mit einem leichten Schmunzeln. Ein letztes Gimmick bot die große Versammlungshalle, die nach außen je nach Regierungskonferenzen mit roten Farben bzw. Veranstaltungen ohne Regierungsbezug in blau beleuchtet wird.

Die Xiong’an New Area ist mit einem Areal von rund 100km2 geplant, grün und smart. Während die Zone rund um das Service Center Einblicke in den künftigen Wirtschaftsalltag vermittelte, wurden wir im zweiten Besuchsteil in einen smarten Wald geführt, der als Pilotprojekt für neue Forstwirtschaft gilt. Hier erhält jeder Baum einen Scan-Code, über den regelmäßig sämtliche Stamm- und Entwicklungsdaten abrufbar sind (Art, Pflanzdatum, Höhe, Stammumfang, usw.). Die Daten werden im Service Center ausgewertet, ähnliche Analysen sind für weitere Umweltdaten geplant.

Die komplette Führung fand auf Chinesisch statt, Übersetzungen für die rund 80% ausländischen Gäste in unserer Gruppe erfolgten leider nicht, auch nicht auf öffentlichen Hinweisschildern, was manchen Betrachter etwas ratlos wirken ließ.

Die Region wird sich insgesamt voraussichtlich in den kommenden 5-10 Jahren stark entwickeln, vermutet man. Bis dahin erhoffen wir uns auch für deutsche Unternehmen Möglichkeiten der Beteiligung an Projekten zur smarten Stadtplanung, im Umweltschutz und den neuen Energien. Wir bleiben dran.

Kontaktieren Sie uns bei Fragen jederzeit gerne.

 

 

Teilen auf...
Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on XingShare on LinkedIn