Rückschau zum 3. Chinesisch-Deutschen Smart Industry Forum auf der Hannover Messe 2018

24.04.2018 – Organisiert durch Channel Wu (Link zum chinesischen Blog: 吴晓波频道)und die Firma Feelnow unterstützten wir als IHK Potsdam zwei Expertenrunden während der Hannover Messe 2018 mit unserer Moderation:

3. Chinesisch-Deutsches Smart Industry Forum

3. Chinesisch-Deutsches Smart Industry Forum ©ChannelWu

Nach zwei Grußworten von Herrn Rainer Nitsche der Stadt Magdeburg und Herrn Peter Eisenschmidt der hannoverimpuls GmbH, folgte zunächst ein Vortrag zur Industrie 4.0 und Fertigungssystemen von Frau Schmid-Lutz (Chief Product Owner Manufacturing SAP SE). Dr. Jan-Henning Fabian (ABB Forschungszentrum) referierte im Anschluss über Möglichkeiten, wie ABB insbesondere in China Unternehmen bei ihrer Entwicklung und dem Aufschluss zur Industrie 4.0 helfen kann. Im zweiten Teil des Forums schlossen zwei Diskussionsrunden bzw. “Runde Tische” jeweils mit vier Experten an, die von der IHK Potsdam begleitet wurden.

1. Technologie-Upgrades und HR – Integration im Zeitalter der intelligenten Fertigung

In der ersten Runde unseres Gesprächs begegneten sich jeweils aus der Wissenschaft, Wirtschaft und Bildung sowohl aus China als auch Deutschland vier Fachleute zur Diskussion der Zukunft von Künstlicher Intelligenz und HR, darunter Dr. Jan-Henning Fabian (Leiter des ABB Forschungszentrums in Ladenburg), Herr Siegfried Vogelsang (Präsident der GFBM Akademie), Prof. Beike Zhang (Chefexperte der China Association for Science and Technology CAST; Beijing University of Chemical Technology BUCT) und Frau Yujuan Li (Gesellschafterin der Shenzhen Tonglihua Automobile Trade Co., Ltd.).

3. Chinesisch-Deutsches Smart Industry Forum; v.r.n.l.: Li Yujuan (Shenzhen Tonglihua Automobile Trading), Dr. Jan-Henning Fabian (ABB), Siegfried Vogelsang (GFBM-Akademie), Prof. Zhang Beike (CAST); Moderation: Sabine Yang-Schmidt (IHK Potsdam) ©ChannelWu

“Es wird immer Aufgaben geben, die von Robotern nicht übernommen werden können und wo menschliche Werte oder Emotionen unverzichtbar bleiben. Stellen Sie sich aktuell einen Besuch beim Friseur vor. Dort könnte man sich die Haare heute von einer Maschine schneiden lassen, allerdings fehlten dem

Runder Tisch I: Künstliche Intelligenz und HR ©ChannelWu

Kunden dann die individuelle Beratung und Betreuung, ganz zu schweigen von dem Haarschnitt, der besondere Sensibilität des Friseurs erfordert. In China bieten sich dennoch in zahlreichen Bereichen Chancen, sich z.B. durch künstliche Intelligenz fortzubilden, in der Wirtschaft Produktionsprozesse zu optimieren und vieles mehr”, so Herr Zhang. Er betonte, dass in China deshalb künstliche Intelligenz besonders gefördert bleibt.

Auch Herr Vogelsang betonte die Wichtigkeit der künstlichen Intelligenz für die Zukunft der Arbeitsmärkte. Es geht nicht um die Ersetzung sondern vielmehr um die Unterstützung von Arbeitskräften, sich mit Hilfe von künstlicher Intelligenz an rasante Entwicklungen anzupassen. “Angesichts des Fachkräftemangels in Deutschland kommt uns die Nutzung von künstlicher Intelligenz anders als häufig vermutet sogar entgegen, denn Jobgewinne werden ein Resultat des vermehrten Einsatzes von Robotern und Automaten sein, so auch eine jüngst veröffentlichte Studie der Bundesregierung” sagte Herr Vogelsang. Die Frage sei nun, wie man Berufsbildungssysteme anpasst, dass sie den Anforderungen des schnelllebigen Berufsalltags Schritt halten. Für den deutsch-chinesischen Austausch sieht Herr Vogelsang hier allerhand Chancen für neue und vertiefte Zusammenarbeit, allerdings auch insbesondere in China akuten Handlungsbedarf, die Berufsausbildung neben klassischen Studiengängen zu bewerben und zu fördern.

Dr. Jan-Henning Fabian, ABB ©ChannelWu

Letztlich stimmte auch Dr. Fabian zu, dass künstliche Intelligenz eine Bereicherung für die Produktion sei. Er betrachtete die Entwicklung zudem unter einem neuen Aspekt, wie Mitarbeiter an die Arbeit mit intelligenten Maschinen herangeführt werden können. Wenn beispielsweise augenblicklich nur rund 7% eine Berufsausbildung machen und das Alter der Arbeiter bei durchschnittlich 47 Jahren liegt, steht der Arbeitgeber zunächst vor der Herausforderung, seine Arbeitnehmer neu zu schulen, Denkweisen zu ändern und Hemmungen im Umgang mit intelligenten Systemen abzubauen. Auch hier müsse noch viel Arbeit geleistet werden, wir stehen erst am Anfang der Entwicklung, so Dr. Fabian.

Über die abschließende Frage, wer anstelle einer persönlichen Teilnahme an der Diskussion heute lieber einen Roboter für sich hätte sprechen lassen, wurde zunächst geschmunzelt. “Es braucht noch Zeit, bis dieses Szenario realistisch wird, auch in China”, meinte Herr Zhang. Grundlegend könne man sich dies aber gut vorstellen, so lautete der Tenor der Runde.

2. Kooperationen und Entwicklungen chinesischer und deutscher Unternehmen

In einer zweiten Diskussionsrunde widmeten wir uns der Frage zu aktuellen und künftige Kooperationsformaten zwischen China und Deutschland.

Den Auftakt der Diskussionsrunde unternahm Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Kleinaltenkamp als Experte für Business- und Dienstleistungsmarketing. Er betonte, dass im Zuge der Automatisierung und Entwicklung von Industrie 4.0 künftig viel mehr Bedeutung im Aufbau und der Pflege von Geschäftsbeziehungen liegen wird. Prozesse werden zunehmend digitalisiert und automatisiert, doch das was so schnell nicht durch Maschinen ersetzt werden kann, ist das Vertrauen, das man zu einem Partner herstellen muss, meinte Prof. Kleinaltenkamp.

Gerade in China ist die Pflege von Netzwerken bzw. Kontakten oder “关系” (guanxi) zentraler Bestandteil der Kultur, ob geschäftlich oder privat. Herr Duan Wei schilderte seine Erfahrungen stellvertretend für chinesische Mitgliedsunternehmen der Chinesischen Handelskammer in Deutschland. Er lobte das historische Hoch deutsch-chinesischer Wirtschaftsbeziehungen, dass China 2018 bereits zum zweiten Mal in Folge Deutschlands größter Handelspartner ist. Auch stellte dar, dass aus der Sicht chinesischer Unternehmen, die in Deutschland investieren wollten, immer wieder von Hürden berichtet würde und sprach dabei u.a. auf Investitionen in sog. “kritische Infrastrukturen” an.

Herr de Vries als CEO einer chinesischen Tochter der Zhongde Metal Group in Deutschland, die insbesondere in Südchinas Metal Eco City den Aufbau einer Plattform für deutsch-chinesische Industriekooperationen erfolgreich gefördert hat, riet, dass eine künftige gute Zusammenarbeit zwingend beiderseitigen Einsatz und Unterstützung von beiden Parteien für eine gelungene Zusammenarbeit erfordert. Beide Parteien, ob chinesisch oder deutsch, sind gefragt, sich hier auszutauschen, zu respektieren und fair zu bleiben, so de Vries.

In China werben zahllose Industrieparks, Provinzen und Regionen mit Möglichkeiten, sich dort anzusiedeln. Dass eine Ansiedlung und Investitionen in China für ausländische Unternehmen jedoch nicht ähnlich transparent und unbeschränkt sind, wie z.B. in den meisten europäischen Ländern, wird häufig von Auslandshandelskammern dokumentiert. Die Deutsche Auslandshandelskammer (AHK) veröffentlicht hierzu einmal jährlich die sog. Geschäftsklimaumfrage als Indikator für die Entwicklung und Zufriedenheit der deutschen Wirtschaft in China.

Über die erfolgreiche Arbeit als chinesisches Unternehmen in Deutschland berichtete zum Abschluss Herr Zheng Zhong von ChannelWu und Feelnow, dem Gastgeber der Veranstaltung. Sein Unternehmen sieht insbesondere in der weiter steigenden Anfrage von chinesischen Geschäftsreisenden nach Deutschland einen wachsenden Trend. “Unsere Kunden reisen in Kleingruppen nach Deutschland, um sich hier mit Firmenvertretern in verschiedenen Regionen zu treffen und über u.a. Industrie 4.0 auszutauschen.” sagt Herr Zheng. Das Interesse ist groß und bietet große Chancen sowohl für ChannelWu als Kommunikationsmedium des chinesischen Wirtschaftsexperten Wu Xiaobo als auch der Firma Feelnow, die speziell Reisen anbietet, in Deutschland weiter zu wachsen.

Die Moderatorin Sabine Yang-Schmidt, Ostasienreferentin an der IHK Potsdam, schloss die Diskussion mit der Frage, welches Wort künftig die wichtigste Rolle in der Chinesisch-Deutschen Zusammenarbeit bedeute. “Vertrauen” hieß es dort einstimmig seitens der Experten.

Klicken Sie hier für eine chinesische Rückschau der Veranstaltung via ChannelWu. 
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Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an unser International Team der IHK Potsdam.

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