Reisebericht IRAN: “Von Lyrik und Prosa, schwingenden Hotels und und und…”

“Komm ich ihr nachgegangen, so wird sie schelten eben; Und legt sich mein Verlangen, wird sich ihr Zorn erheben. Und wenn ich voll Verlangen einmal auf ihrem Wege, Wie Staub zu Fuß ihr falle, wird sie wie Wind entschweben.” – Dichter und Mystiker Hafez (Ḫāǧe Šams ad-Dīn Moḥammad Ḥāfeẓ-e Šīrāzī)

Das Hotel „schwingt“.

Wir stehen auf der Dachterasse (10. Etage) unseres Hotels Eskan in Teheran und genießen den lauschigen Sommerabend und die Aussicht. Plötzlich sagte einer unserer Mitreisenden, wir sollten doch alle einmal innehalten und ganz ruhig stehen. Spürt ihr etwas?

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Bildquelle: www.escanhotel.com

Tatsächlich, ganz leichte Schwingungen des Baukörpers waren spürbar. Wegen der Erdbebensicherheit sind alle Gebäude „auf Stelzen“ errichtet, so dass sie schwingen können. Und so konnte auch der Straßenverkehr und der Wind, der gegen das Gebäude drückte, das Bauwerk schwingen lassen. Einen unserer Mitreisenden hat das besonders beunruhigt. Er verspürte die Schwingungen sogar noch in seinem Bett (1. Etage), wie er uns beim Frühstück berichtete…

Moschee-Besuch

Wir besuchen die Imamzadeh Saleh Moschee am Tajrish-Platz im nördlichen Stadtteil Teherans Shemiran. Wir entledigen uns am Eingang unserer Schuhe. Einer unserer Mitreisenden hatte sich jedoch zu weit vorgewagt und bereits einen Fuß auf den Teppich gesetzt. Sofort wird er gebeten, einen Schritt zurückzugehen. Im Inneren der Moschee, in der man auf das Fotografieren verzichten sollte, werden wir auf Schritt und Tritt abgelichtet. Einer unserer iranischen Begleiter stellt den Fotograf zur Rede …

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Eine Busfahrt, die ist lustig…

Wir fahren von Teheran nach Isfahan. Eine lange Fahrt bei Dunkelheit liegt vor uns. Zeit und Gelegenheit, der persischen Sprache näher zu kommen. Bekanntermaßen fällt Kinder das Sprachenlernen leichter als Erwachsenen, weshalb wir es mit Kinderversen probieren: „Ruri gol ghermezi – Gole ruri ghermezi“ Was so viel bedeutet wie: „Eine Kanne mit roten Blumen ist eine rote Blumenkanne“. Alle unsere Mitreisenden – außer diejenigen, die gerade schlummern, üben sich darin. Wir revanchieren uns bei unseren (hervorragend Deutsch sprechenden) iranischen Begleitern, mit einem Zungenbrecher aus der Heimat „Fischer´s Fritze ….“ Wir haben viel Spaß und die Fahrt erscheint nicht ganz so lang …

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Bildquelle: www.news.ch

Hindernisse

Unser Bus startet vom Berg-Restauran Zagros. Zu beiden Seiten der schmalen Straße parken PKW. Wir kommen uns im Schritt-Tempo voran, bevor der Bus endgültig stoppt. Zwischen den rechts und links parkenden Autos und unseren Bus passt kein Blatt Papier. Hinter uns: Hupkonzert. Nach einigem Disput schreiten vier junge Männer zur Tat und verlagern den „störenden“ PKW kurzerhand einen halben Meter seitwärts in den angrenzenden Wald. Problem gelöst. Wir können weiter fahren. Kurz bevor wir das Hotel gegen 1:00 Uhr erreichen – ein erneuter Stopp. Ein Begleiter des Busfahrers verlässt den Bus in Richtung eines Restaurants. Nach 15 Minuten Warten, wird es einem unserer Mitreisenden, der seinen Schlaf dringend braucht,  zu bunt. Er eilt zum Restaurant und bringt den Begleiter, der offenbar nur ein „Schwätzchen“ halten wollte zurück zum Bus. Die Fahrt kann weiter gehen und fünf Minuten später sind wir im Hotel.

Schöngeistiges

Am Fuße des Terassen-Restaurants Koohpaye ist ein Stand mit kleinen Vögeln und zahlreichen Pergamenten. Gegen einen geringen Obulus pickt einer der Vögel ein Pergament heraus. Ein Orakel? Nein, lyrische Verse (Ghasele – übersetzt: Gespinste/Liebesworte) des persischen Dichters und Mystikers Hafez (übersetzt: jener, der den Koran auswendig kann). Hafez, dessen bekanntestes Werk der Diwan ist, hatte bereits Goethe inspiriert… Das ist nicht die einzige Begegnung mit der alten persische Dichtkunst. Einer unserer Teilnehmer brillierte bei unserem Besuch der Industriestadt Abbas Abad mit Versen des persischen Dichters Saadi, der auch einmal schrieb: „Alles ist schwierig, bevor es leicht wird“ – ein Motto, dass wir allen Unternehmen beim Aufbau ihres Iran-Geschäfts getrost mit auf den Weg geben können…

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