Netz Sie kennenzulernen: Ansprechstrukturen in neuen Märkten für deutsche Unternehmen

Außenhandel: Das „Wall Street Journal“ hat es in unlängst als „Geheimwaffe der deutschen Wirtschaft“ bezeichnet: Das weltweite Netz der Deutschen Auslandshandelskammern und Delegiertenbüros (AHKs) sichert Unternehmern den Zugang zu Ansprechpartnern und Marktinformationen „aus erster Hand“ und hat somit erheblichen Anteil an der Exportleistung unserer Wirtschaft. Daneben bieten in aufstrebenden Volkswirtschaften Programme der deutschen Entwicklungszusammenarbeit (EZ) ideale Möglichkeiten zum Markteintritt. Gemeinsam knüpfen Außenwirtschaftsförderung und „EZ“ am engmaschigen Netz aus Anlaufstellen für deutsche Unternehmen.

Vom Sehnsuchtsort zum Absatzmarkt? – Kuba ist einer der neuen AHK-Standorte.

Im weltweiten Netz der Auslandshandelskammern ist der Standort Sri Lanka eine von zwei Erweiterungen im laufenden Jahr. Im März 2018 eröffnet, vergrößerte die Delegation der Deutschen Wirtschaft in Sri Lanka ein Netzwerk, das 2019 sein 125jähriges Bestehen feiert. Zum heutigen Tag sind die AHKs, die auch gern als verlängerter Arm der Industrie- und Handelskammern (IHKs) im Auslandsgeschäft bezeichnet werden, in 92 Ländern vertreten. In ihrer Struktur bieten sie ein weltweit einzigartiges System, um die deutsche Wirtschaft bei ihren Außenwirtschaftsaktivitäten zu unterstützen.

Neben einer attraktiven Urlaubsdestination ist Sri Lanka in der jüngsten Vergangenheit zunehmend zu einem interessanten Markt für deutsche Unternehmen geworden: Die Exporte nach Deutschland sind 2017 um 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Die Einfuhr deutscher Erzeugnisse nach Sri Lanka legte sogar um satte 81 Prozent zu. Laut Andreas Hergenröther, Delegierter der Deutschen Wirtschaft in Sri Lanka, findet sich das Land nach Indien und Pakistan mittlerweile an dritter Stelle deutscher Investitionen in Südasien. Dabei ist Deutschland zweitgrößter Investor aus der EU in dem Inselstaat. Dieser Entwicklung soll das AHK-Büro entsprechend Rechnung tragen und das wirtschaftliche Engagement deutscher Firmen in der Region weiter antreiben.

Der erste Eindruck täuscht: Längst ist Sri Lanka nicht nur beliebtes Reiseziel – Tatsächlich zieht das Land zunehmend auch deutsche Investitionen an.

Auf Asien entfällt auch ein weiterer der in diesem Jahr neu geschaffenen Standorte. Zwar ist China wahrlich keine terra incognita für deutsche Unternehmen mehr, mit dem Standort Shenzhen beschreitet das AHK-Netzwerk indessen neue Wege – und etabliert einen „Innovation Hub“ im Silicon Valley Chinas. Ziel des Innovation Hubs ist es, eine Brücke zwischen deutschen Unternehmen und der chinesischen Technologie- und Start-Up Szene zu schlagen. Wie Tobias Urban, Projektleiter Süd & Südwestchina im Deutschlandbüro der Auslandshandelskammer Greater China, erläutert, hat sich Shenzhen binnen weniger Jahrzehnte von dem oft zitierten Fischerdorf zu einer pulsierenden Wirtschaftsmetropole und Chinas Epizentrum in Sachen Elektromobilität, Elektronik und Produktentwicklung entwickelt. Nächste Gelegenheit, sich vor Ort hiervon zu überzeugen, bietet Mitte November die China Hi-Tech Fair als eine der bekanntesten Industriemessen Chinas.

Shenzhen: Vom Fischerdorf zum modernen Industriestandort im Zeitraffer

Die AHKs sind für Unternehmen erster Ansprechpartner und Dienstleister in Sachen Markterschließung, Marktpräsenz und Marktausbau. Sie helfen bei der Suche nach Geschäftspartnern und bei Messeauftritten, sie unterstützen Delegationsreisen, beraten Gründer und sind auch Ansprechpartner, wenn es um Technologie-Scouting oder Recruitment geht. Darüber hinaus sind die AHKs die Stimme der deutschen Wirtschaft am jeweiligen Standort und vertreten als bilaterale Wirtschaftskammern weltweit über 40.000 deutsche und lokale Mitgliedsunternehmen.

Myanmar: Eine junge Bevölkerung und großer Nachholbedarf bieten Marktchancen für nachhaltige deutsche Technologien

Allein zwischen 2012 und 2017 ist das Netz der AHKs um Standorte in Serbien, der Ukraine, in Aserbaidschan, Kenia, Mosambik, Myanmar, auf den Philippinen, in Sambia und auf Kuba gewachsen.

Kenia – Für europäische Anbieter entwickelt sich das Land zunehmend zum Anlaufhafen auf dem afrikanischen Kontinent

Eine positive wirtschaftliche Entwicklung sorgt dafür, dass fortlaufend neue Märkte entstehen, welche für deutsche Unternehmen von besonderen Interesse sein können. Häufig vollzieht sich das Wachstum außerhalb angestammter Märkte, wie Bert Wibel, EZ-Scout an der IHK Potsdam, erläutert. Traditionell sehen Unternehmer in ihnen eher Empfängerländer deutscher Entwicklungshilfe, vermutet der vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) an die IHK Potsdam entsandte Experte. Tatsächlich aber bilden sich gerade in diesen Ländern aufgrund positiver wirtschaftlicher Entwicklung, immensem Nachholbedarf und einer zunehmend kaufkräftigen und besser qualifizierten Bevölkerung spannende Absatz- und Produktionsmärkte. Beispiel: Tansania. Der afrikanische Staat weist ein stabiles Wirtschaftswachstum von jährlich sechs bis sieben Prozent auf. Das Land vereint politische Stabilität und ein friedliches Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen und Religionen. Zudem hat sich die aktuelle Regierung unter Präsident Magufuli zentraler Themen wie die Industrialisierung, Arbeitsplatzbeschaffung und Korruptionsbekämpfung angenommen.

Feierliche Eröffnung der Außenstelle Tansania als bislang jüngstem Zuwachs im AHK-Netzwerk

Im April dieses Jahres wurde in Dar es Salaam, Tansanias wirtschaftlichem Zentrum, eine Außenstelle der Delegation der Deutschen Wirtschaft Kenia (AHK), eröffnet. Ermöglicht wurde dieser bislang jüngste Zuwachs in der Kammerwelt durch den erfolgreichen Schulterschluss zwischen Außenwirtschaftsförderung und Entwicklungszusammenarbeit: Über das ExperTS-Programm fördert das BMZ den Einsatz von Experten innerhalb des AHK-Netzwerks. So gelingt es, neue Standorte und Märkte in den Fokus deutscher Unternehmen zu rücken und somit die „Netzabdeckung“ der Kammern weiter zu steigern. Tansania folgt hierbei den AHK-Außenstellen Mosambik und Sambia, die in Kooperation zwischen der AHK für das südliche Afrika und der deutschen Entwicklungszusammenarbeit gegründet wurden. Durch die Kooperation stehen für deutsche Unternehmen zu den genannten Ländern erstmals direkte Ansprechpartner und verlässliche Informationen aus erster Hand zur Verfügung. Denn die eingesetzten Experten sind oft schon seit Jahren in dem jeweiligen Land aktiv, verfügen über entsprechende Expertise und haben Zugang zu relevanten Netzwerken.

Wie Dr. Jennifer Schwarz, Leiterin der Außenstelle Tansania der AHK Kenia, erklärt, hilft ihr Büro bei der Überwindung kultureller Barrieren und unterstützt bei der Suche nach passenden Geschäftspartnern und Kunden vor Ort. Bislang sei die deutsche Gemeinschaft in Tansania recht überschaubar, dadurch aber auch sehr offen, so dass Neuankömmlinge herzlich empfangen werden. Branchen wie Agrarwirtschaft, Bergbau, Bauwirtschaft und Energie bieten ihrer Einschätzung nach besondere Chancen für gute Geschäfte. Zudem ermöglicht die bestehende Städtepartnerschaft zwischen Potsdam und Sansibar für Brandenburger Unternehmen besondere Anknüpfungspunkte.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit ist besonders in Ländern aktiv, die traditionell „schwierige“ Märkte sind, sich aber in den letzten Jahren teilweise zu dynamischen Wirtschaftsräumen entwickelt haben, betont EZ-Scout Bert Wibel. In solchen Regionen sei das AHK-Netz weniger engmaschig. In Afrika bieten AHK-Standorte deutschen Unternehmen über sogenannte Regionalkoordinatoren Informationsmöglichkeiten zu benachbarten Ländern ohne dauerhafte AHK-Präsenz. Dank des ExperTS-Programms lassen sich darüber hinaus gemeinsam Ansprechstrukturen direkt vor Ort etablieren.

Das gilt ebenso für ein weiteres Programm, das die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH im Auftrag des BMZ und in enger Abstimmung mit dem AHK-Netzwerk umsetzt: Auch über das Global Business Network (GBN) Programm stehen hiesigen Unternehmen Ansprechpartner in neuen Märkten zur Verfügung. Ihre Aufgabe ist es im Besonderen, eine stärkere Einbindung deutscher Unternehmen in laufende Vorhaben der deutschen Entwicklungszusammenarbeit zu ermöglichen. Eigens hierfür werden in den jeweiligen GIZ-Landesbüros Business & Cooperation Desks eingerichtet. Die dort eingesetzten Experten beraten Unternehmen und Entwicklungszusammenarbeit gleichermaßen, identifizieren Synergien und begleiten eine gemeinsame Projektentwicklung.

Fashion Accessoires made in Ruanda – Deutsche Importeure gesucht- Kontakt über das Business & Cooperation Desk der GIZ

Im Rahmen des Global Business Network bestehen solche Business & Cooperation Desks bisher in Äthiopien und Kambodscha sowie in Ruanda, mit Zuständigkeit auch für das Nachbarland Uganda. Bis zum Jahresende sollen Büros im Senegal, in Namibia und in Côte d’Ivoire folgen. Gemeinsame Schnittmengen zwischen entwicklungspolitischen Zielen und Aktivitäten einerseits und Geschäftsmöglichkeiten für deutsche Unternehmen andererseits bestehen landesübergreifend in den Bereichen Landwirtschaft und Nahrungsmittelverarbeitung, Energie- und Wasserwirtschaft sowie Medizin- und Informations- und Kommunikationstechnik. Entsprechend bekräftigt Linda Schraml, seit September 2017 Koordinatorin des Business & Cooperation Desk in Äthiopien: „Für fast alle Programme der Entwicklungszusammenarbeit bestehen thematische Schnittmengen mit der deutschen Privatwirtschaft“. Auch in Äthiopien sei die deutsche Wirtschaft – vor allem im Vergleich zu anderen Nationen – bislang gering vertreten. Doch das Interesse steigt laut Schraml kontinuierlich. Kein Wunder – das Land macht auch in Deutschland zunehmend Schlagzeilen; in der vergangenen Dekade erlebte die Wirtschaft in Äthiopien ein jährliches Wachstum von im Schnitt elf Prozent. 2017 sind die Investitionen gegenüber dem Vorjahr um beeindruckende 47 Prozent gestiegen.

Im August dieses Jahres wurde das Business & Cooperation Desk in Kambodscha eröffnet. Die dortige Wirtschaft hat in der Zeit von 2010 bis 2016 um jährlich rund sieben Prozent zugelegt. Für das Land sprechen seine liberale Wirtschaftspolitik, niedrige Lohnkosten und eine gute Anbindung an internationale Seewege. Die zunehmende Verzahnung von Außenwirtschaftsförderung und Entwicklungszusammenarbeit wird von den Akteuren vor Ort sehr begrüßt, wie Tassilo Brinzer, Vorsitzender des Arbeitskreises Deutsche Wirtschaft und stellvertretender Vorsitzender der europäischen Handelskammer darlegt: „Wir sind sehr froh, dass wir das Programm zusammen mit der GIZ und der europäischen Handelskammer hier implementieren können“. Ein wettbewerbsfähiger Privatsektor in Kambodscha schaffe neue Arbeitsplätze, generiere Einkommen und fördere Innovationen, so Brinzer. Sein Fazit entsprechend: „Eine stärkere Kooperation mit der deutschen Entwicklungszusammenarbeit passt perfekt zu unseren Zielen als Wirtschaftsverband, eine nachhaltige Entwicklung in Kambodscha voranzubringen.“

 

Weiterführende Informationen:

 

 

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