Messen: Handelsplätze direkt vor der Haustür

Virtuelle Messen sind heute keine Seltenheit mehr. Und doch, meint Mathias Nix, habe das reale Treffen von Unternehmensvertretern auf nationalen und internationalen Handelsplätzen noch immer seinen ganz besonderen Reiz. Es sei ein Erlebnis, erklärt der Messexperte im Fachbereich International der IHK Potsdam. Man bekomme einen besseren, weil direkten Eindruck von potenziellen Geschäftspartnern. Produkte könnten in Augenschein genommen und ihre Qualität geprüft werden. Eine neu entwickelte Software zum Beispiel lasse sich live ausprobieren. Und: „Man kommt viel besser ins Gespräch“, so Nix. Auf einer Messe würden sich oft ungeahnte Kontakte anbahnen. „Davon berichten uns viele Unternehmen“, sagt Mathias Nix. Nach Angaben des Ausstellungs- und Messe-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft AUMA wenden deutsche Unternehmen rund 45 Prozent ihrer B-to-B-Marketing-Etats für Messen auf. Letztere sorgen für jährliche Produktionseffekte von rund 23,5 Milliarden Euro.

Von Fakuma bis K

Junge innovative Unternehmen haben die Möglichkeit, Events der Start-up-Szene zu besuchen, wie zum Beispiel die Slush in Helsinki oder die TechCrunch Disrupt in San Francisco. Ansonsten sind natürlich Messen der jeweiligen Branche empfehlenswert, in der das junge Unternehmen aktiv ist. Zulieferer von Schienenverkehrstechnik werden Nix zufolge kaum an der InnoTrans in Berlin vorbeikommen. Die K Messe in Düsseldorf ist das weltweit wichtigste Treffen der Kunststoffindustrie. Für den Bereich der Kunststoffverarbeitung ist es die Fakuma in Friedrichshafen. In Sachen Industrie ist die Hannover Messe Industrial Supply Pflicht. Natürlich steht die niedersächsische Landeshauptstadt auch für die Cebit, die in diesem Jahr mit „scale 11“ erneut einen speziellen Treffpunkt für Gründer im Programm hat.

Diese kurze Aufzählung macht schon deutlich, dass sich für deutsche Unternehmen direkt vor der Haustür ein großer und vielfältiger internationaler Messemarkt eröffnet. Hierzulande finden jährlich 160 bis 180 internationale und nationale Branchenschauen statt, die insgesamt rund 180 000 Aussteller und zehn Millionen Besucher anziehen – so die Zahlen des Ausstellungs- und Messe-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft AUMA. Mehr als die Hälfte der Aussteller und gut ein Drittel der Fachbesucher kommen aus dem Ausland. Weiterer Pluspunkt des deutschen Messemarktes: Hier finden zwei Drittel aller Welt-Leitmessen statt, beste Voraussetzungen also, um internationale Geschäftspartner zu gewinnen. Diese Chancen werden explizit auch von mittelständischen Firmen genutzt. Sie machen immerhin 85 Prozent der Aussteller auf den Messen in Deutschland aus.

Unternehmern, die sich unsicher sind, ob sie auf der von ihnen ausgewählten Schau das passende Klientel finden, empfiehlt der Messeexperte der IHK, sich doch erst einmal als Besucher ein Bild vom jeweiligen Branchentreffen zu machen. Steht die Entscheidung für einen Auftritt als Aussteller, gebe es Nix zufolge zahlreiche Fördermöglichkeiten für die Unternehmen. Sowohl der Bund als auch das Land Brandenburg unterstützen die Markterschließung durch Messeteilnahmen. Vorteilhaft ist ebenso die Beteiligung an einem Gemeinschaftsstand der IHK.

Gemeinschaftsstände nutzen

Hier könnten Unternehmen von einer attraktiven Lage des Standes, vom gemeinschaftlichen Standbau unter dem Label „German Capital Region Berlin-Brandenburg“ und der gemeinsamen Nutzung von Infrastrukturen profitieren, erklärt Nix. Außerdem buche die IHK die Flächen für ihre Messestände immer zu den frühestmöglichen Zeitpunkten. Die dabei gültigen guten Konditionen gebe sie an die Teilnehmer weiter. Bei den unterschiedlichen Messen „haben wir eine große Anzahl von Ausstellern, die sich immer wieder beim Gemeinschaftsstand der IHK einbuchen“, sagt Mathias Nix vom Fachbereich International. Hier stehe man nicht allein da und meist ist auch landespolitischer Promibesuch garantiert. Da kämen die Unternehmer schnell ins Gespräch mit der Politik.

Finanzspritzen von Bund und Ländern

Das Land Brandenburg fördert die Messeteilnahme von kleinen und mittleren Unternehmen des produzierenden Gewerbes und des produktionsnahen Dienstleistungsgewerbes. Voraussetzung für die Förderung über das Programm Markterschließung im Ausland und Messen (M2) ist, dass die jeweiligen internationalen Messen im In- und Ausland im AUMA-Katalog aufgeführt sind. Bei regionalen und überregionalen Schauen in Brandenburg gilt, dass sie im aktuellen gemeinsamen Messeplan der Länder Berlin und Brandenburg aufgeführt sein müssen. Finanziert werden bis zu 50 Prozent der förderfähigen Ausgaben, maximal jedoch 15 000 Euro je Veranstaltung und Unternehmen.

Der Bund unterstützt die Beteiligung an internationalen Leitmessen in Deutschland durch das „Programm zur Förderung der Teilnahme junger innovativer Unternehmen an internationalen deutschen Messen“. Um davon profitieren zu können, müssen die antragstellenden Firmen einige Voraussetzungen erfüllen, wie Mathias Nix erklärt. Sie dürfen nicht älter als zehn Jahre sein und müssen weniger als 50 Mitarbeiter haben und nicht mehr als zehn Millionen Euro Jahresumsatz. Außerdem muss am Messestand ein innovatives Produkt präsentiert werden. Unternehmen, die sich auf Messen im Ausland präsentieren möchten, werden durch den Bund in Kooperation mit dem AUMA über das Auslandsmesseprogramm (AMP) unterstützt. Auf der Website des AUMA werden mehrere gute Gründe für die Teilnahme am AMP genannt: mehr Reichweite, mehr Aufträge, mehr Export, mehr Umsatz. Mathias Nix resümiert: Es lohne sich, in Messeauftritte zu investieren. (Autorin: Ute Sommer)

Teilen auf...
Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on XingShare on LinkedIn

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*