Investieren hinterm großen Teich

Die US-Wirtschaft hat wieder Fahrt aufgenommen. Privater Konsum bleibt Hauptwachstumstreiber. Marktchancen gibt es für viele Branchen. Auch Nachbar Kanada bietet interessante Märkte.

 

Es tut sich so einiges auf dem Markt hinter dem Großen Teich. Der private Konsum, der in den USA gut zwei Drittel der Gesamtwirtschaft ausmacht, bekommt Aufwind. Dafür sorgen u. a. die immer bessere Beschäftigungslage sowie steigende Haushaltsvermögen und Arbeitslöhne, so die Einschätzung der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Germany Trade & Invest (GTAI).

Den US-amerikanischen Markt macht noch etwas anderes sehr attraktiv: „Es gibt eine rege Investitionstätigkeit in vielen Industrien“, konstatiert Jens Ullmann, Fachbereichsleiter International der IHK Potsdam. Vorteilhafte Kostenstrukturen würden dazu führen, dass die vor einiger Zeit in Drittländer abgewanderten Industrien jetzt wieder zurückkommen. Ullmann sieht da eine Reihe von Aufträgen, die auch für märkische Unternehmen interessant sein könnten. Eine wesentliche Rolle spielen dabei Maschinen, Angebote im Bereich Industrie 4.0 und vor allem der Aufbau von IT-Infrastrukturen.

Vor Ort Umsatz verdreifacht

Die GTAI verweist auf Analysen der Telecommunications Industry Association, wonach die US-Ausgaben für Informations- und Kommunikationstechnik im Jahr 2014 um 6,6 Prozent zugelegt haben. Das war der stärkste Jahresanstieg seit 2010. Matthes Derdack, Geschäftsführer der Potsdamer Derdack GmbH, rechnet für sein Amerika-Geschäft sogar mit deutlich höheren Wachstumsraten. Die Umsätze könnten jährlich um 25, ja sogar 50 Prozent zulegen. Das Unternehmen entwickelt Software für die automatisierte Alarmierung und mobile Reaktion auf betriebliche Störfälle und deren Behebung. Dieser Markt – getrieben von der Mobilisierung durchs Smartphone – entwickle sich rasant, erklärt Derdack.

Im März 2014 hat der Potsdamer Unternehmer in Glen Allen im US-Bundesstaat Virginia eine Tochterfirma gegründet – für ihn „eine logische Konsequenz“. Denn die Derdack GmbH hatte schon eine Reihe von Kunden in den USA, die einen signifikanten Anteil am Umsatz der Potsdamer ausmachten – jetzt sollten die Geschäfte weiter angetrieben werden. Da gehöre es zum guten Ton, in dem Land selbst eine Niederlassung zu haben. Der Erfolg bestätigt die Entscheidung von Matthes Derdack: 2015 hat sich der Umsatz auf dem nordamerikanischen Markt im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht. Diese explosionsartige Entwicklung wäre ohne das eigene direkte Engagement in den USA nicht möglich gewesen, sagt Derdack.

Dafür hat der Unternehmer aber auch einiges investieren müssen. Die Tochterfirma hat ihren Sitz im Bürogebäude eines ansehnlichen Business Parks, ein Muss für eine gewisse Reputation. Anwälte und Steuerberater wurden hinzugezogen, um die Gründung einer AG nach amerikanischem Recht wasserdicht zu machen. In Vorbereitung auf diesen großen Schritt hatte Derdack in Potsdam mehrere Infoveranstaltungen der IHK besucht.

Kanada zieht mit

Von Glen Allen aus bearbeitet der Softwareentwickler auch den kanadischen Markt. Man habe zuletzt einige große kanadische Kunden dazugewinnen können, berichtet der Unternehmer. Auch eine Folge der Niederlassungs-Gründung. „Der kanadische IT-Markt läuft dem amerikanischen etwas hinterher“, sagt Derdack. Die großen Softwareinnovationen gehen zuerst in den USA über die Bühne.

Kanada ist gemeinhin als großer Rohstofflieferant bekannt. Aber „viel interessanter“ sei das, was im Bereich IT, Medien und Gaming geschehe, erklärt Außenhandelsexperte Jens Ullmann. In der Provinz Ontario schlage das Herz der Medien- und Gamingbranche. Laut GTAI könnte der IKT-Umsatz in Kanada im Jahr 2016 erneut um fünf Prozent zulegen. Investiert werde zum Beispiel auch in den Ausbau der erneuerbaren Energien und in die Energieeffizienz.

Im Vergleich zu den USA könne Kanada, so Ullmann, mit deutlich geringeren Geschäftskosten punkten. Es lohne sich, einen Blick auf diesen Markt zu werfen, meint Ullmann. Bei Nahrungsmitteln und Kosmetika seien gute Preise zu erzielen. Allerdings müssten Unternehmen genau auf geforderte Produktstandards oder eventuelle Zölle achten.

Das Prozedere erleichtern könnten die Freihandelsabkommen TTIP beziehungsweise CETA zwischen der Europäischen Union und den USA beziehungsweise Kanada. Der Softwareentwickler Derdack kann zwar schon jetzt – ohne TTIP – gut auf dem amerikanischen Markt agieren. Die Geschäfte mit Software seien leichter abzuwickeln, als der Vertrieb von Hardware, so der Unternehmer.

Aber auch er erhofft sich Vorteile vom Freihandelsabkommen. Einheitliche Standards könnten schneller anerkannt werden und so beispielsweise den E-Commerce oder auch Dienstleistungen, die über das Internet angeboten werden, erleichtern.

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