Duale Berufsausbildung in China – Ein Austausch mit einer Delegation aus Nanjing

13.03.2018 – Unterstützt durch die Aufbau Akademie Berlin informierte sich Delegation aus dem ostchinesischen Nanjing ausgiebig über die IHK Potsdam und wurde speziell durch unsere Leiterin des Fachbereichs für Ausbildung, Frau Sylvana Karpe, durch das deutsche System der dualen Berufsausbildung geleitet.

Während der anschließenden Diskussion lernten wir allerhand über Chinas derzeitigen Ausbau des Berufsbildungssystems, der im „Plan zur Errichtung eines modernen Berufsausbildungsystems (2014-2020)“ zu finden ist. „Bei uns in China ist das System ganz anders strukturiert“ betonte Herr Liu Jiangang des Nanjing Education Bureau.

Die Berufsausbildung in China kennt drei verschiedene Stufen, die sog. Junior-Sekundärstufe, Senior-Sekundärstufe und die Tertiärstufe. Das Lernen in einer Berufsschule der Junior-Sekundärstufe schließt an die chinesische Grundschulausbildung an und zielt hauptsächlich auf den Erwerb von technischen Fähigkeiten der Schüler ab. Diese Zeit der Ausbildung ist eine Option innerhalb der neunjährigen Schulpflicht in China, die alternativ zur regelmäßigen Grund- und Mittelschule gewählt werden kann. Schulen, die eine Berufsausbildung der Junior-Sekundärstufe anbieten, sind häufig in ländlichen Regionen zu finden und hatten ursprünglich vorrangig die Funktion, Fachkräfte für Arbeiten in einfacheren Berufen auszubilden, die abseits der Großstädte gefragt sind.

Eine Ausbildung an einer Berufsschule der Senior-Sekundärstufe erfordert mindestens einen Grund- und Mittelschulabschluss, dauert im Regelfall ca. 3-4 Jahre und kann als Qualifikation für den Besuch einer weiterführenden Berufsschule der Tertiärstufe dienen. Berufsschulabsolventen der Senior-Sekundärstufe werden ausgehend ihrer Spezialisierung häufig in der Produktion eingesetzt, zunehmend aber auch im Dienstleistungssektor. (Quelle: china.org.cn)

Mit Chinas rasanter Wirtschaftsentwicklung in den letzten dreißig Jahren geht auch ein Wandel im Bildungssystem einher. Betrachtet man den Ausbau der Berufsschulen der letzten 15 Jahre, so hat sich allein die landesweite Zahl der Berufsschulen der Senior-Sekundärstufe von 17,770 Einrichtungen in 2001 auf 77,398 Einrichtungen bis 2016 mehr als vervierfacht. Ziel des o.g. Entwicklungsplans ist, bis 2020 über 80% der großen und mittleren Unternehmen in China an die Berufsausbildung anzukoppeln. Hier sollen Wirtschaftsschwerpunkte in den Bildungsbereichen der Modernen Landwirtschaft, Herstellung, Dienstleistungen, „strategisch aufstrebenden Industrien“, dem Energiesektor, Verkehr und Transport, im maritimen Sektor, dem „Management“ der Gesellschaft sowie der Stärkung der (chinesischen/ Minderheiten) Kultur liegen. (Quelle: Chinesisches Bildungsministerium)

Im internationalen Kontext hat sich China zum Ziel gesetzt, eine „chinesische Eigenheit“ zu bewahren aber durchaus auf dem Level weltweit etablierter, moderner Berufsausbildungssysteme konkurrenzfähig zu werden. In Deutschland geht man seit Jahren auf diese Entwicklung ein und begleitet in Shanghai durch die deutsche Auslandshandelskammer in Form einer eigenen Abteilung deutschen Berufsschulprojekte in China. Auch das System der Dualen Berufsausbildung nach deutschem Standard findet in China bereits an mehreren Standorten Anwendung, zudem nehmen neue Kooperationsprojekte im Weiterbildungsbereich stetig zu.

Zurück zu Herrn Liu – dieser erläutert, dass als Hauptstadt der Provinz Jiangsu allein in Nanjing bereits über 20 Berufsschulen auf Senior-Sekundärstufe existieren, davon bilden die meisten im Elektrobereich aus. Die meisten Kooperationsprojekte mit ausländischen Berufsschulen zählt laut Herrn Liu derzeit in der Provinz Jiangsu die Stadt Suzhou, die insbesondere für Tourismus aber auch High-Tech bekannt ist. Als besonders aktive deutsche Firmen, die in seiner Region ausbilden, lobte Herr Liu spontan Schäffler und Bosch. Nur sei es weiterhin schwierig, einen internationalen Austausch von Schülern, Berufsschulen und Betrieben zu schaffen. So ist seine Gruppe nur eine von vielen, die seit Jahren durch Deutschland reisen und sich hier über Möglichkeiten der Kooperation informieren.

Sollten Sie Interesse haben, mit chinesischen Berufsschulen, Bildungsinstitutionen oder deutschen Pendants im Berufsausbildungssektor in Kontakt zu treten, vermitteln wir gerne.

Bilder: © IHK Potsdam/SYS

 

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