Belt and Road Show 2018 – Informationen über Wirtschaftsinitiativen zwischen Beijing und Brandenburg

27. Februar 2018 – Sich als Brandenburger Unternehmer an der Neuen Seidenstraße beteiligen, wie könnte das gehen?

Zur Auftaktveranstaltung der „Belt and Road Show“ trafen sich über 50 Teilnehmer aus der Region sowie ganz Deutschland in der IHK Potsdam und tauschten sich aus über den Status Quo großer Wirtschaftsinitiativen wie der „Belt and Road Initiative“, der „Neuen Seidenstraße“ aber auch zu weiteren, nicht mit chinesischen Begriffen belegten Projekten zwischen Brandenburg, Zentralasien und Ostasien.

Die Belt and Road Show, hier veranstaltet vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und der IHK Potsdam, wird künftig eine Reihe von Informationsveranstaltungen deutschlandweit umfassen, die die deutsche Wirtschaft über Möglichkeiten informiert, sich an Projekten der Neuen Seidenstraße zu beteiligen. Fachlich unterstützt wurden wir in Potsdam von Germany Trade & Invest (GTAI), Erfahrungsberichten von PONDUS Verfahrenstechnik GmbH, Peter Ruge Architekten und der Umwelt-Geräte-Technik GmbH, sowie den Auslandshandelskammern (AHK) für Zentralasien und Shanghai. Wir fassen im Folgenden noch einmal für Sie zusammen.

DIE SICHT DER CHINESISCHEN BOTSCHAFT

Nach einem Grußwort durch unseren IHK Potsdam Hauptgeschäftsführer Herrn Mario Tobias richtete als Vertreter der Botschaft der Volksrepublik China Herr Wang Weidong sowohl warme als auch mahnende Worte ans Publikum.

Gesandter Botschafter Herr Wang der Botschaft der Volksrepublik China. Foto: IHK Potsdam/ES

Deutschland und China blicken auf eine lange Zeit der guten Beziehungen zurück, dennoch sei die Haltung Deutschlands auf chinesische Wirtschaftsaktivitäten viel zu kritisch, wie er sagte. China ist das zweite Jahr in Folge Deutschlands stärkster Wirtschaftspartner, betonte er zudem und hob den aktuellen chinesischen Beitrag zum Weltwirtschaftswachstum mit rund 30% hervor. Medien in Deutschland berichteten allerdings überwiegend negativ über China, das falle Ihnen deutlich auf und schade der Kooperation.

DIHK UND DIE BELT AND ROAD INITIATIVE

Vera Philipps, DIHK. Foto: IHK Potsdam/ES

Frau Vera Philipps erläuterte im Anschluss die Sicht der des DIHK auf die Neue Seidenstraße. Das Projekt der “Belt and Road Initiative” Chinas stellt laut ihr ein neues Narrativ für internationale Wirtschaftsbeziehungen dar. Die Initiative wird zunächst neutral mit sowohl neuen Verbindungen als auch neue Abhängigkeiten konnotiert. Großinvestitionen in der Entwicklung neuer Infrastrukturen bringen die Möglichkeit mit sich, neue Märkte zu erschließen, vereinfachte Handelsbeziehungen zu schaffen oder aber auch die chinesische Währung zu internationalisieren.
Insgesamt bietet diese Initiative allerhand Chancen für eine nachhaltige Entwicklung, sagte Frau Philipps, verwies aber auch auf skeptische Haltungen in Wirtschaft und Politik. Für Unternehmen sei letztlich wichtig, frühzeitig Chancen für eine Beteiligung zu erkennen, sich zu informieren und auch mitmachen zu können, was wiederum Engagement und Risikoabwägungen voraussetzt.

KÖNNEN DEUTSCHE UNTERNEHMEN PROFITIEREN? DIE GTAI ERKLÄRT

Lisa Flatten, GTAI. Foto: IHK Potsdam/SYS

Können deutsche Unternehmen profitieren? Diese Frage griff Frau Lisa Flatten der GTAI auf und verwies auf die jüngst vorgestellte GTAI Studie zur Neuen Seidenstraße. Die Neue Seidenstraße inkludiert mehrere Wirtschaftskorridore über Land sowie die maritime Seidenstraßenroute. Als Regionen sind u.a. beteiligt Südostasien, Pakistan, Russland und Zentralasien sowie die MENA-Region und Ostafrika. Zu aktuellen Finanzgebern für Wirtschaftsprojekte entlang dieser Routen zählen chinesische Entwicklungsbanken (China Development Bank, Export-Import Bank of China), die Asian Infrastructure Investment BankSeidenstraßenfonds oder die New Development Bank.
Die Frage, ob deutsche Firmen profitieren können, wurde
klar bestätigt. So bietet allein die Eurasische Landbrücke mit bestehenden und zum Ausbau geplanten Transportrouten Chancen für einen neuen und schnelleren Transport, die Erschließung neuer Absatzmärkte und die Möglichkeit zur Beteiligung an Infrastrukturprojekten, ob nun als Zulieferer oder in Kooperation mit chinesischen Partnern auf Drittmärkten. Je besser ein deutsches Unternehmen die Kriterien eines Nischenproduktes oder einer –technologie erfüllt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, sich an geförderten Projekten zu beteiligen zu können. Dazu sind insbesondere Großunternehmen und spezialisierte Mittelständler angesprochen aus den Bereichen Bau, Bahn-, Flug- und Schiffstechnik sowie der Energiebranche. Identifizieren Sie frühzeitig geeignete Partner und richten eine langfristige Firmenstrategie auf die Seidenstraßeninitiative aus, empfiehlt die GTAI. Lesen Sie mehr dazu auch unter www.gtai.de/seidenstrasse.

Belt and Road Show in Potsdam. Foto: IHK Potsdam/ES

Der Begriff der Neuen Seidenstraße ist aktuell nicht abschließend interpretiert. Ebenso ist offen, wer sich wie beteiligen kann und unter welchen Voraussetzungen ein Projekt mit der Neuen Seidenstraße in Verbindung gebracht werden darf. Informationsportale existieren weltweit, zahlreich und unter verschiedenen Namen. Informationen zu Fördermitteln sind allerdings nicht zwangsläufig online ersichtlich, Verfahren für Projektbeteiligungen sind nicht vereinheitlicht und als Neue Seidenstraße benannte Institutionen bzw. davon ausgehende Informationen sind genau zu hinterfragen. Wie findet man sich als Unternehmen also praktisch zurecht?

DEUTSCHE UNTERNEHMEN UND DIE NEUE SEIDENSTRASSE

Mit Sitz in jeweils Teltow, Berlin und Müncheberg berichteten drei Unternehmer aus unserer Region von Ihren Erfahrungen mit bzw. entlang der Seidenstraße.

Dr.-Ing. Andreas Dünnebeil, PONDUS. Foto: IHK Potsdam/SYS

Herr Dr. Andreas Dünnebeil stellte für PONDUS Verfahrenstechnik GmbH seinen Schritt nach Wuwei in der chinesischen Provinz Gansu vor.
Das Unternehmen plant dort an einem Projekt für eine Kläranlage und Wuwei liegt mitten auf der alten Seidenstraßenroute. Die Verbindung zwischen PONDUS zu China ist sowohl über einen Anlagenbauer in China mit Vertretung in Deutschland als auch über einen deutschen Anlagenbauer mit Mutter in China entstanden.

Auf eine futuristische Reise entlang der Seidenstraße nahm uns im zweiten Beitrag Prof. Peter Ruge stellvertretend für Peter Ruge Architekten mit.

Prof. Peter Ruge, Peter Ruge Architekten. Foto: IHK Potsdam/SYS

Grün, gesund und nachhaltig soll sie werden, daran arbeitet sein Team an zahlreichen Standorten mit Lösungen zur Desertifikation, Bildung, oder aber auch im Banken- und Finanzsektor. Eine Kombination von „Technology, Ecology, Identity, Society“ steht dabei im Vordergrund des entsprechenden G-Road Projektes, das bereits Bauprojekte in China, Iran und Afghanistan umfasst.

Ebenfalls zum Schutz der Umwelt arbeitet auch das Unternehmen Umwelt-Geräte-Technik GmbH (UGT), das von Herrn Dr. Manfred Seyfarth präsentiert wurde.

Dr. Manfred Seyfarth, UGT. Foto: IHK Potsdam/SYS

UGT entwickelt messtechnische Lösungen zum Umwelt-Monitoring entlang der Neuen Seidenstraße und ist seit vielen Jahren bereits in China an zahlreichen Standorten aber auch in Russland oder dem Iran tätig.
Besonders zeichnet UGT aus, dass es für seine Projekte 2015 einen „Zukunftspreis Mittelstand – Neue Seidenstrasse“ gewonnen hat, eine Auszeichnung von der besonders bei Russland-affinen Unternehmen bekannten Plattform Business International.

STIMMEN DER DEUTSCHEN AUSLANDSHANDELSKAMMERN

Gemeinsam mit Herrn Jörg Hetsch, Delegierter der Deutschen Wirtschaft für Zentralasien (Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan, Turkmenistan, Usbekistan), und Herrn Jan Jovy, Leiter der German Industry & Commerce aus Shanghai, diskutierten wir u.a. die Entwicklung des chinesischen Projektes der Neuen Seidenstraße von „One Belt, One Road“ (Begriff von 2013) bis zur „Belt and Road Initiative“ (Projektname heute) aus Sicht deutscher Unternehmen in den jeweiligen Zielländern. Hier wurden auch Einschätzungen für beispielsweise den Ausbau der Logistik zwischen Brandenburg und Beijing angesprochen, welche Faktoren der Neuen Seidenstraße als besonders kritisch betrachtet werden und wie diese sich voraussichtlich bis 2050 jeweils in Zentralasien bzw. China weiterentwickeln wird.

Für Fragen an die AHK Zentralasien kontaktieren Sie bitte Herrn Hetsch via Email oder wenden Sie sich für China/ Shanghai an Herrn Jovy (Email). Lesen Sie eine Einschätzung zur Belt and Road Initiative seitens der deutschen Wirtschaft in China auch in der aktuellen Business Confidence Survey oder in unserer Rückschau der Vorstellung dieser Studie in der IHK Potsdam vom 01.12.2017.

Nächste Termine der Belt and Road Show:
19.04. Heilbronn
20.06. Stuttgart

Bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an Ihre regionalen IHK Ansprechpartner. Für den Kammerbezirk Potsdam steht Ihnen zur Seite:

IHK Potsdam
Sabine Yang-Schmidt
Referentin International, Weltregion Ostasien/ Greater China
Tel: +49 331 2786-247
E-Mail

 

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